Vor vielen Jahren kam Frau Leni E., wegen ihrer starken Muskelschwäche und beginnender Muskellähmung, in meine Praxis. Sie bot ein Bild es Jammers. Sie war fast dürr, bleich und wirkte äußerst unstabil. Ihre Beine zitterten beim Gehen und sie sprach mit leiser, schwacher Stimme. Seit ihrer Schwangerschaft 1981 habe sie die Muskelschwäche. Bis 1986 habe sie zwar noch Sport unterrichtet, aber danach sei es nicht mehr möglich gewesen.
Seit einiger Zeit waren noch andere Probleme zu der Muskelschwäche dazu gekommen. Sie hatte z. B. abends schmerzhafte, brennende Augenschmerzen, vor allen Dingen beim Lesen. Ein gewisser Druck im Auge begleitete sie ständig. Seit ungefähr einem halben Jahr litt sie unter einem dumpfen Kopfschmerz, als wenn sie in Watte gepackt sei und sie durch die Watte sprechen, denken und andere wahrnehmen müsse. Seit dieser Zeit ist auch ihr Hals ganz trocken geworden. Vor ein paar Monaten war ein Knoten in der linken Brust festgestellt worden, der nun operiert werden sollte. Schon mehrere Jahre habe sie ziehende Schmerzen in ihren Brüsten. 1987 sei sie von einer Zecke gebissen worden. Der Biß hinterließ eine rote Schwellung, allerdings haben die Untersuchungen auf Borreliose nichts ergeben. 1979 sei sie mit ihrem Mann aus Algier zurückgekommen, wo sie 5 Jahre gelebt hatten. Nach der Rückkehr entwickelte sie ein Nierenentzündung. Als sie damals nach Algier gingen, habe sie sich gegen Cholera, Typhus und Paratyphus impfen lassen. In ihrer Kindheit habe sie Pocken, Diphtherie, Tetanus und Polio und eine Tuberkulose Impfung bekommen, dies besonders, weil ihr Vater eine Tuberkulose entwickelt hatte.
Die ganze Familie war damals geimpft worden. Als ich sie bat etwas aus ihrer Kindheit zu erzählen, begann sie zu weinen. Ihre Mutter hatte die Familie stark psychisch belastet, weil sie ständig von Selbstmord redete und damit die Familie erpreßt hatte. Vor ca. zwei Jahren habe sich die Mutter tatsächlich erhängt. Der Vater war schließlich die Stütze der Familie gewesen und hatte sich um seine drei Kinder liebevoll gekümmert. Leni E. war aber recht früh zu ihrem Mann gezogen, um das für sie ungeliebte Elternhaus verlassen zu können. Das Leben in Algier war schön und unbeschwert gewesen, erst nachdem sie zurück kamen und vor allen Dingen beginnend mit der ersten Schwangerschaft, traten Krankheitssymptome bei Leni E. auf.
Frau E. wirkte äußerst lebensunfähig und ich gewann den Eindruck, daß sie auf eine ganz andere Art, das Leben ihrer Mutter imitierte. Ihre Mutter hat zwar mit Selbstmord gedroht, Frau E. hingegen behinderte sich und die anderen durch ihre körperlichen Probleme.
Für die Repertorisation gab ich 13 Symptome ein, die mir wichtig erschienen: ...