Vor ca. zwei Jahren kam Frau N. mit Sven in die Praxis. Sie berichtete, dass Sven alle drei bis vier Wochen mäßiges Fieber mit Halsschmerzen bekam, dabei konnte er auch Stirnkopfschmerz entwickeln, prägnant waren aber dabei seine Ohrenschmerzen. Ein für Alle unangenehmer Mundgeruch kam dazu und Sven war besonders lustlos. Diese Problematik bestand nun schon sechs Monate lang. Zunächst einmal hatte Frau N. Sven Antibiotika geben lassen, hatte unterdessen aber kein gutes Gefühl mehr dabei. Regelmäßig alle drei bis vier Wochen kamen diese Symptome wieder zum Vorschein.
Bei der Ursachensuche, seit wann das alles angefangen haben könnte, kamen wir darauf, dass Sven eine sehr enge Beziehung zu seiner Schwester hat, die zwei Jahre älter ist als er. Seine Mutter meinte, für Lea täte er alles, da war sein Bruder, der gerade geboren war, ziemlich uninteressant für Sven. Zu dem damaligen Zeitpunkt war Lea in die Schule gekommen und der tägliche gemeinsame Ausflug in den Kindergarten fiel nun aus. Es war sehr deutlich: seitdem Lea nicht mehr mit ihm im Kindergarten war, entwickelte Sven die Infekte und seine Interesselosigkeit. Im Kindergarten spielte er aber anstandslos auch mit anderen Kindern, die auch gelegentlich zu ihm nach Hause zu Besuch kamen. Er selbst sagte aber, er hätte keine Freunde. Die Aussagen der Mutter und die Aussage von Sven selbst, standen in einem gewissen Widerspruch. Offensichtlich war Sven so auf Lea fixiert, dass ihm der Kontakt zu allen anderen ziemlich egal war. Allerdings war Sven überhaupt nicht egal, wenn Lea sich auch für den kleinsten Bruder interessierte. Bei der Gelegenheit war er immer sehr eifersüchtig. Sven ist eine zarte, fast durchsichtig wirkende Persönlichkeit, die eher feingliedrig als ängstlich erschien. Er war als Steißlage zur Welt gekommen und wurde gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Kinderlähmung und HIB geimpft. Er hatte immer wieder Probleme mit Mandelentzündung gehabt und seine Zähne waren früh kariös.